Von Bananenbäumen träumen (anschließend Filmgespräch mit Regisseurin Antje Hubert)

  Mittwoch, 20. September 2017 - 19:00 bis - 21:45

In Kooperation mit der Bürgerinitiative Flotwedel und LiSt Celle.

 

Artikel von Dagny Siebke in der Celleschen Zeitung.


Regisseurin Antje Hubert aus Hamburg, in Celle geboren (1966) und aufgewachsen, ist heute Abend zu Gast.

Wir empfehlen, Karten vorher über die Webseite zu reservieren. Per Webseite, weil Reservierungen per Mail das andere System unterlaufen und wir in Gefahr laufen, zu viele Kartenwünsche zu bestätigen.

Ferner empfehlen wir, vorher zur Einstimmung diesen 4-minütigen Bericht von "N3 - Hallo Niedersachsen" zu sehen.

 

Eintritt: 5,00 €

Dokumentarfilm Deutschland 2016
Kinostart: 30. März 2016
93 Minuten
FSK: ab 0; f

Produktionsfirma: thede Filmproduktion / Gebrüder Beetz Filmproduktion
Verleih Kino: imFilm

Produktion/Regie/Drehbuch: Antje Hubert
Kamera: Andreas Stonawski
Musik: Roland Musolff
Schnitt: Magdolna Rokob

 
Filmhomepage,  alle Daten zum Film auf Filmportal.de

Webseite: Wir Oberndorfer

 

30-minütiges Interview mit Antje Hubert bei radio Bremen 2nach1 von 30. März 2017 - der Link direkt zum Podcast

Der Filmdienst ist seit Jahren die führende deutsche Kinofilmfachzeitschrift. Da die Kritiken des Filmdiensts nicht ohne weiteres zugänglich sind, drucken wir sie hier ab, unabhängig ob sie positiv oder negativ ausfallen. Unser Ehrgeiz ist es nicht, Interessierte mit hohlen Versprechungen oder plakativen Etikettierunen wie "Kunstfilm" oder "besonderer Film"  ins achteinhalb zu locken. Die wenigstens Filme erhalten vom Filmdienst eine positive Kritik. Es ist daher durchaus so, dass Filme, die dort nicht so positiv "wegkommen", ansonsten durchweg positive Kritiken erhalten haben und wir auch einige Filme "klasse" gefunden haben, die vom Filmdienst kritisch bewertet worden sind. Es ist halt eine Meinung unter mehreren, aber in der Regel eine fundierte. Die höchste Auszeichnung ist das Prädikat "sehenswert", die Altersempfehlung ist eine pädagogische.

Kurzkritik Filmdienst
Das Dorf Oberndorf an der niedersächsischen Elbmündung siecht vor sich hin. Viele Bauern haben aufgegeben, die jungen Leute ziehen weg, Kneipen und Läden schließen. In dieser Situation wollen einige Bewohner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und planen eine mit Gülle betriebene Biogas-Anlage mit angeschlossener Fischzucht und Gewächshäusern, die für Aufschwung sorgen soll. Der Dokumentarfilm verfolgt unterhaltsam das utopische Projekt über mehrere Jahre hinweg und überzeugt durch seine markanten Protagonisten ebenso wie durch die souveräne Kameraarbeit und Montage. - Ab 14.
Reinhard Lüke, FILMDIENST 2017/7

N3 - Hallo Niedersachsen (4 Minuten):


Trailer (162 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst
In Oberndorf muss man nicht gewesen sein. Der unscheinbare Ort mit rund 1000 Einwohnern im Umland von Cuxhaven hat kaum etwas zu bieten, das Touristen anlocken oder Menschen animieren könnte, sich dort dauerhaft niederzulassen. Wie in vielen ländlichen Gemeinden ist auch in Oberndorf das schleichende Siechtum unübersehbar. Viele Betreiber kleinerer Höfe haben aufgegeben, die Infrastruktur bröckelt, Kneipen und die Sparkassen-Filiale machen dicht, und dann soll auch noch die Schule des Ortes geschlossen werden, da es kaum noch junge Familien mit Kindern gibt.

Doch die Oberndorfer haben beschlossen, nicht mehr auf die Politik zu setzen, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, um der Misere beizukommen. Ausgerechnet ein Zuchtbetrieb für afrikanische Welse und eine angeschlossene Bananenplantage sollen Geld in die leere Gemeindekasse spülen. Eine Schnapsidee, wie nicht nur manche Einwohner meinen.

Das exotisch anmutende Konzept ist auf dem Mist eines Berliner Infrastuktur-Entwicklers gewachsen, den zwei Grafikerinnen der Gemeinde kontaktiert haben. Es basiert auf der Idee, den einzigen Rohstoff der in der Umgebung reichlich zur Verfügung steht, für die Energiegewinnung zu nutzen: Gülle.

Über drei Jahre hinweg begleitete Antje Hubert den Kampf der Oberndorfer mit der Kamera. Ihr Dokumentarfilm wird von einer Handvoll höchst unterschiedlicher Dörfler getragen, die sich anschicken, die Utopie in die Tat umzusetzen. Doch vor dem ersten Spatenstich für die Biogas-Anlage muss allerlei beredet werden. Wie organisiert man so ein Geschäft überhaupt? Wie gründet man eine Aktiengesellschaft? Wo, wann und wie müssen Anträge eingereicht werden?

Der Film folgt den Treffen der Dörfler, die meist in einer Kneipe, aber auch mal am Küchentisch stattfinden, mit merklicher Sympathie, aber auch mit der nötigen, teils leicht ironischen Distanz. In der stimmigen Montage überzeugt der stete Wechsel von öffentlichen und privaten Momenten, aktionsgeladenen und ruhigen Sequenzen. Die Stimmung schwankt zwischen Euphorie und Frust, wenn beispielsweise die Baugenehmigung ein Jahr auf sich warten lässt.

Durch den unaufhaltsam näher rückenden Tag, an dem der Rat der Gemeinde über die Schließung der Schule entscheiden wird, kann der Film sogar mit einem veritablen Spannungsmoment aufwarten. Zudem fängt die Kamera immer wieder wunderbare Stillleben von einsamen Briefkästen oder sinnlosen Hinweistafeln ein, die Oberndorf in all seiner lauschigen Tristesse zeigen. In Verbindung mit einer originellen Musik, gut gewählten Protagonisten und Animationen, die hin und wieder gemalte Welse durchs Dorf schwimmen lassen, wird daraus ein unterhaltsamer und stimmiger Dokumentarfilm.

Reinhard Lüke, FILMDIENST 2017/7

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