achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

Wer spinnt denn da, Herr Doktor?

Freitag, 16. Mai 2008, 20.30 Uhr
Samstag, 17. Mai 2008, 20.30 Uhr
Eintritt: 4,50 Euro

Nur im Kino achteinhalb Celle !!!

Wer spinnt denn da, Herr Doktor?
Ein Patient verläßt ungehindert die Nervenheilanstalt, um in der "normalen" Welt mit seiner entwaffnenden Aufrichtigkeit Verwirrung und Mißtrauen zu stiften. In mehreren ineinandergewebten Episoden werden feinsinnig und hintergründig alltägliche Verhaltensweisen karikiert. Eine zwar nicht sonderlich tiefschürfende, aber humorvoll-poetische Komödie. - Ab 14.

Ein Streifen mit Otto Sander, Loriot, Evelyn Hamann, Heinz Meier (z.B. Rentner Erwin Lindemann im Loriot Sketch "Der Lottogewinner"), Hannelore Elsner, Chris Howland, Edith Heerdegen, Friedrich G. Beckhaus ( Leutnant Atan Shubashi in Raumpatrouille Orion)


Lesen Sie wie es dazu kam, daß dieser Streifen ins achteinhalb kam.
Info vorab: es gibt zwei Kino achteinhalb in Deutschland....


von Martina Waltzinger
Gesendet: 02.04.08 10:21:30
ans Kino achteinhalb
Betreff: Wer spinnt denn da, Herr Doktor?
Guten Tag!
Ich würde so gerne den Film "Wer spinnt denn da, Herr Doktor?" (1981) mit Otto Sander, Vicco von Bülow, Sunnyi Melles u.v.a. mal wieder sehen. Es gibt ihn weder auf DVD noch in VHS-Form. Gäbe es da eine Möglichkeit, den ins 8 1/2-Programm einzufügen?
Mit freundlichen und hoffnungsvollen Grüßen Martina Waltzinger

Antwort von Kino achteinhalb
Gesendet: 25.04.08 15:19:02
an Martina Waltzinger
Betreff: Wer spinnt denn da, Herr Doktor? - !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Liebe Martina Waltzinger,
ehrlich gesagt, hielt ich Ihre Anfrage vom 2. April für ziemlich abseitig. Ich kriege ne Menge in meinen Augen absurder Anfragen wegen irgendwelcher Filmchen. Aber da ich geflissentlich jeden Hinweis ernsthaft nachgehe, wenn auch oft unter Stöhnen und der Meinung, dass die Leute eh glauben, dass ich nein sage ohne nachzudenken, las ich wie immer die dazugehörige Kritik und dachte, eigentlich ganz witzig.

Dann hatte ich aber den notwendigen Filmkatalog für alte Streifen unter Bildzeitungen und den Playboymagazinen vergraben. Diese Woche fand ich ihn, stand drin, Rechte liegen bei Kinowelt, aber es gäbe keine Kopie mehr, Thema erledigt.
Bei alten Filme gibt es entweder einen Verleih, der die Rechte hat aber keine Kopie, um die Lagerkosten zu sparen, oder jemand hat ne Kopie aber keine Rechte, im Idealfall, also Regelfall gibt es keinen Verleih, keine Rechte und keine Kopie. Resultat ist immer das gleiche, keine Vorführung.
Dachte, damit Sie mir glauben, google ich das Teil nochmal und gucke bei Ebay.
Ich fand sogar einen einzigen Hinweis auf ne Videoversion!

Dachte, na gut, ruf mal bei Kinowelt Leipzig an, ob da einer was weiss.
Der Streifen ist von 1982, alle Mitarbeiter die 1982 bereits im Geschäft waren, sind ja mittlerweile zwangsverrentet und im Zuge der Rentenreform ausgebürgert worden.
Naja habe ja ne Flatrate und ohnehin zuviel Zeit.
Bei Kinowelt war die Disponentin für Verleihbezirk HH gerade auf dem Filmfest in Baden Baden. Die Kollegin kannte den Titel nicht, fragte die anderen in der Firma, keiner kannte den Titel. Dann guckte sie in die Datenbank und sagte mir, sie hätten keine Filmrechte, seien abgelaufen. Lizenzgeber sei Bavaria, falls ich meine Odyssee da fortsetzen wolle.
Da ich kein Freund von kurzen Telefonaten bin, fragte, ob nicht jemand wisse, was mit einem Video sei. Irgendwas wie sportlicher Ehrgeiz war bei der jungen Frau erwacht. Sie sagte, sie wolle nochmal nachforschen und werde mich zurückrufen.

Heute kam ihr Anruf, sie hätten in Bad Herzberg noch ne Kopie rumliegen und sie hätten auch noch die Rechte. (Vermutlich wird jetzt demjenigen gekündigt, der vergessen hat die Rechte zu kündigen) Ich sagte ihr, mir wird zwar beim Vorführen die Kopie zusammenbrechen, aber dann will ich sie bei uns beerdigen.
Sagte sie solle mal gucken ob es in den letzten Jahren überhaupt ein Kino gab, das den Film zeigte. Fehlanzeige, keinerlei Einsätze seit Einführung der EDV.
Wir schütteten uns aus vor Lachen. Dann sagte ich, weiss, es ist abwegig, aber falls es noch Plakate gäbe.... Glaube sie nicht.
Stunde später Rückruf, es soll wohl laut Lager paar schäbige A1-Plakate geben
Habe ich zwei bestellt eins fürs achteinhalb, eins für Sie.

Dann rief mich noch Konrad Boneberg von Concorde an, der bis heute auch in Baden Baden war, ob ich wisse, dass der Film, den ich für den 17. Mai geliehen habe, 3 Wochen im Kammer lief. Also den Kammer-Streifen storniert und durch Ihre Klamotte ersetzt. Sollten Sie am 16./17. nicht mit ner Hundertschaft anrücken, werde ich dafür sorgen, dass Ihnen der Stromanschluss gesperrt wird und die Zwangskündigung Ihres ABOs der CZ einleiten!
mit schönem Gruß
achteinhalb - Kino & Kultur e.V.
1. Vorsitzender Stefan Eichardt

von Martina Waltzinger
Gesendet: 27.04.08 20:33:29
ans Kino achteinhalb
Betreff: Wer spinnt denn da, Herr Doktor? - !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Lieber Stefan Eichardt!
Mir wurde ganz schlecht, als ich Ihren Namen und Ihre Adresse in Ihrer ausführlichen und netten e-mail las: Celle!! Ich lebe Saarbrücken und habe mit "besten Wissen und Gewissen" die Anfrage an unser
Kino achteinhalb im Nauwieser Viertel in Saarbrücken gesendet. Oh mein Gott, wie peinlich...
Die Beschreibung Ihrer Nachforschungen war einfach köstlich - recht herzlichen Dank für Ihre erfolgreichen Bemühungen! Ich werde gleich an das Kino achteinhalb in Saarbrücken schreiben und zusätzlich Ihre Mail hinzufügen. Vielleicht kann man da was machen.
Nochmals: Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ich hoffe, dass trotzdem Leute ins Kino kommen und sich über den Film amüsieren.
Mit lieben Grüßen Martina Waltzinger



Wer spinnt denn da, Herr Doktor?

BR Deutschland, 1981

Komödie

Produktionsfirma:

Bavaria/Project/NF Geria II/NDR

Verleih:

mal Filmverlag der Autoren, mal Filmverlag/Futura, in Wirklichkeit Kinowelt Leipzig

Länge:

81 Minuten

FSK:

ab 6; f

FBW:

wertvoll

Erstaufführung:

5.3.1982

 

 

 

Regie:

Stefan Lukschy, Christian Rateuke

Buch:

Hartmann Schmige, Stefan Lukschy, Christian Rateuke

Kamera:

Jörg Seidl

Musik:

Wilhelm Dieter Siebert

Schnitt:

Siegrun Jäger

Darsteller:

Otto Sander (Nummer 7), Sunnyi Melles (Marlene), Peter Fitz (Chefarzt), Paul Burian (Klaus Scheuermann), Richy Müller (Page), Hannelore Elsner (Frau von Schoek), Evelyn Hamann (Krankenschwester), Loriot (Der Göttliche), Heinz Meier (Friseur), Edith Heerdegen (Käthe), Jochen Schroeder (Charly), Chris Howland (Mr. Anderson), Wolfried Lier (Herr Goepel), Friedrich Georg Beckhaus (Herr Kayser), Heinz Schimmelpfennig (Bischof)


ferner
Thomas Kylau als Katelbach
Utz Richter als Empfangschef
Siegfried Grönig als Chefarzt

Stefan Luschky in Wikipedia
Otto Sander in Wikipedia
Peter Fitz in Wikipedia
Sunnyi Melles in Wikipedia
Richy Müller in Wikipedia
Hannelore Elsner in Wikipedia
Loriot in Wikipedia
Evelyn Hamann in Wikipedia
Heinz Meier in Wikipedia
Edith Heerdegen in Wikipedia
Chris Howland in Wikipedia
Wolfried Lier in Wikipedia
Friedrich G. Beckhaus in Wikipedia

Filmportal.de

Wer spinnt denn da, Herr Doktor?
Fast schon hatte man den Glauben an die deutsche Filmkomödie verloren. Zu viel Krampf und Klamauk bestimmten die Flut jener Filme, die in den letzten Jahren den Kinozuschauer erheitern wollten, aber allenfalls kleine Zielgruppen mit ausgewalzten Gags und Kalauern unterhielten. Es war bezeichnend für die Situation, daß 1981 der "Ernst-Lubitsch-Preis" für Otto Sander an den Hauptdarsteller eines Komödienversuches ging, der wenigstens einige gelungene und humorvolle Szenen aufzuweisen hatte. Im Nachhinein mag man diesen Film "Der Mann im Pyjama" als eine Fingerspitzenübung für die beiden Regisseure/Autoren Christian Rateuke und Hartmann Schmige deuten, die in ihrem neuen Film durch das inszenatorische Geschick Stefan Lukschys einen bemerkenswerten Schritt nach vorn getan haben. "Wer spinnt denn da, Herr Doktor?" ist ein Film, der weitgehend auf platt dargebotene Albernheiten verzichtet, vielmehr durch leise, oftmals poetische Bilder und Einfälle zu gefallen weiß. Humor und Komik der Geschichte resultieren in erster Linie aus genauen Beobachtungen des Alltags, Gesten und Sätzen, die in ihrer Formelhaftigkeit kaum noch Beachtung finden.

Als Mittler zwischen unterschiedlichsten Verhaltensweisen dient "Nummer 7", Patient einer Nervenheilanstalt, dies jedoch mehr aus Ratlosigkeit der behandelnden Ärzte als aufgrund handfester Symptome. "Nummer 7" ist der reine Tor, gutmütig und offen, der sich getreu der Devise "Ich bin ich" hinter keiner Maske versteckt und seinen Mitmenschen mit entwaffnender Aufrichtigkeit begegnet. Und gerade dies macht mißtrauisch. Nicht zum ersten Mal verläßt er ungehindert die Anstalt, um sich in die "normale" Welt zu begeben. Er trifft auf cholerische Kleinbürger (mit Autoputz-Wahn und Plastikdackel auf dem Auto-Rücksitz), eine verkaufstrategisch ausgerichtete Supermarkt-Ordnung, einen bürokratisch korrekt geführten Hotel-Betrieb. Überall wirkt sein Auftreten provozierend - nicht weil "Nummer 7" provoziert, sondern weil seine Freundlichkeit Ratlosigkeit und Verwirrung stiftet. "Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen?" fragt ein Passant, worauf ihn "Nummer 7" schlichtweg beim Wort nimmt. Die bei solchem Konzept entstehende Episoden-Aneinanderreihung verweben die Regisseure zu einer reizvollen Einheit, indem sie eingeführte Personen immer wieder kurz auftauchen lassen. Dabei gelingt es ihnen, nicht allein ein lustiges Kuriositäten-Kabinett vorzuführen, sondern auch leise, fast wehmütige Nachdenklichkeit zu erzeugen. Manche Menschen leiden eben unter Leistungsdruck und Herzlosigkeit und suchen - manchmal verzweifelt - nach Auswegen. Wenigstens für "Nummer 7" deuten die Autoren einen solchen an: Er findet ein Mädchen, das ihn liebt und durch das er "da draußen" jemanden hat, der ihm zurechthilft. So kommt es zwar zu keinem tiefschürfenden Ende, aber immerhin zu einer Utopie, die jenen subversiven Charme resümiert, der diese Komödie prägt.
Horst Peter Koll
Kritik aus film-dienst Nr. 6/1982