Kino & Kultur e.V.
FREITAG | 1. Februar | um 20.30 Uhr |
Montag | 4. Februar | um 20.30 Uhr |
Eintritt: 4,50 Euro
50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.
Drei Männer verunfallen im Wald. Ihr Auto - ein mit Panzerglas gesicherter Mercedes, der seinerzeit eigens für Kurt Waldheim angefertigt wurde - verkeilt in einem Waldabhang in einer Position, die es den Insassen unmöglich macht auszusteigen.
Diese Drei werden dargestellt vom österreichischem Kabarettisten Duo Christoph Grissemann und Dirk Stermann und dem deutschen Comedy und Autor (Fleisch ist mein Gemüse) Heinz Strunk.
Dier österreichische Standard schreibt: "Diese Psycho-Groteske hat das Zeug zum "crowd-pleaser" - das zeigte die Premiere in Rotterdam, bei der das Publikum aus dem Lachen kaum herauskam."
Eine schwarze Komödie, die landauf und -ab ausschließlich nur gute Kritiken erhielt.
Produktionsort-/jahr: Österreich 2007
Kinostart in Deutschland: 4. Oktober 2007
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12; f
Format 1:1,85
Filmverleih: Arsenal in Tübingen
Filmlager Conrad per Pagel
Produktion: | Barbara Albert, Martin Gschlacht, Antonin Svoboda, Jessica Hausner |
Regie: | Antonin Svoboda |
Buch: | Christoph Grissemann, Dirk Stermann, Heinz Strunk, Antonin Svoboda, Jörg Kalt |
Kamera: | Martin Gschlacht |
Schnitt: | Oliver Neumann |
Darsteller: | Christoph Grissemann (Anzengruber), Dirk Stermann (Baisch), Heinz Strunk (Schwanenmeister), Philip Bialkowski (Toni), Eva Maria Neubauer (Geherin), Markus Hering (Heimleiter), Gabriele Heckel (Baischs Frau) |
Film-Homepage vom deutschen Verleih (Arsenal)
Filminfo vom deutschen Verleih (Arsenal)
Das Filmplakat
Antonin Svoboda in Wikipedia
Homepage von Heinz Strunk - eigentlich Mathias Halfpape, auch bekannt als Jürgen Dose
Studio Braun
Heinz Strunk in Wikipedia
Homepage von Dirk Stermann und Christoph Grissemann
Dirk Stermann in Wikipedia
Christoph Grissemann in Wikipedia
Das Duo Stermann & Grissemann in Wikipedia
Das Buch: Immer nie am Meer
Programmkino.de
Schnitt.de
filmportal.de
Kino-Zeit.de
angelaufen.de
Film-Zeit.de
Spiegel
taz
derStandard
das Satiriker Duo Stermann & Grissemann im taz-Interview:
Comedy ist in Wahrheit total rechts
und was meint die Brigitte?
umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de
Kurzkritik aus dem Film-Dienst:
Ein tablettensüchtiger österreichischer Zyniker und sein frustrierter Schwager werden nach einem Unfall in den Wald katapultiert, wo sich ihr Auto zwischen den Bäumen verkeilt. Mit von der Partie ist auch ein deutscher Alleinunterhalter. Kabarettistische Versuchsanordnung in Form einer klaustrophobischen Komödie, deren eigenwillige Charaktere über Gott und die Welt schwadronieren, wobei dem schwarzem Humor eine gehörige Portion Depression beigemischt ist.
ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst:
Warten ist langweilig. Auf Dauer zumindest, und wenn das Warten nicht langweilig ist, dann ist es noch schlimmer: Unerfreulich bis quälend. Was passiert, wenn drei Zyniker für fünf Tage allein in einem Auto im Wald eingesperrt sind? Hört sich nach einer Versuchsanordnung an – und genau das ist „Immer nie am Meer“: drei Männer allein im Wald, ein Experiment mit offenem Ausgang. Bevor die Männer gemeinsam im Wald landen, pflegt jeder einsam und sarkastisch seine Neurosen – dies darf selbstverständlich auch in Gesellschaft geschehen, denn zumindest als Zielpublikum für den entsprechenden Galgenhumor ist Gesellschaft erwünscht. Bei einer Ladeneröffnungsfeier seiner Schwester erkundigt sich der depressive und tablettensüchtige Anzengruber auf ihre Aufforderung hin, er solle nicht so viel trinken, geflissentlich: „Und wo kann ich hier nicht viel trinken?“ Ebenso lakonisch konstatiert er gegenüber seinem Schwager, dem frustrierten Historiker Baisch, dass die Apotheke „nichts gegen Weltekel“ habe. Mit Baischs neuem Auto lesen die beiden auf der Straße den leicht hysterischen, dampfplaudernden deutschen Kleinkünstler Schwanenmeister auf. Dieser hatte sich zuvor erfolglos abgemüht, eine österreichische Firmengesellschaft zum Lachen zu bringen, und vergeblich versucht, eine nächtliche Joggerin anzusprechen – eben die Joggerin, der Baisch in einer Kurve ausweichen muss. Das Manöver katapultiert die Herrenrunde in die missliche Situation, deren Ausweglosigkeit auch dem Umstand geschuldet ist, dass es sich bei Baischs nun zwischen Bäumen eingekeiltem Wagen um ein Relikt aus dem Fundus des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim handelt, gepanzerte Scheiben und defektes Schiebedach inklusive. „Gefangen in der Nazi-Karre“, stellt Anzengruber fest. Ein Junge aus einem nahen Ferienheim findet schließlich bei einem Streifzug das Wrack mit den Wartenden. Bislang hat er mit Ratten experimentiert, nun bietet sich die Chance auf menschliche Versuchsobjekte. Die drei Zyniker sind nicht mehr allein – aber dafür Lichtstressreiz und Nahrungsentzug ausgesetzt.
Für Antonin Svoboda, neben Barbara Albert, Jessica Hausner und Martin Gschlacht Mitglied der österreichischen Filmproduktionsfirma „coop99“, ist „Immer nie am Meer“ sein zweiter Langfilm. Martin Gschlacht führt die Kamera und reizt den geringen Spielraum aus, schafft die Bilder zur klaustrophobischen Komödie: Umkreist in Nahaufnahmen die Gesichter der drei Hauptdarsteller und in gespenstischen Außenaufnahmen den Fremdkörper Auto im dunklen Wald. Die Drehbuchautoren sind neben Svoboda und Jörg Kalt vor allem die drei Hauptdarsteller: die österreichischen Komiker Christoph Grissemann und Dirk Stermann (der Filmtitel entspricht einem Buchtitel des Duos) sowie der deutsche Alleinunterhalter Heinz Strunk. Sie haben sich die Dialoge auf den Leib geschrieben; und weil die Grundsituation so exaltiert künstlich ist, funktionieren die eigenwilligen Charaktere, die sie sonst auf der Bühne oder im Radio zelebrieren, auch auf der Leinwand. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und eine Schauspielführung, die es versteht, Anflüge von Bühnenpräsenz kinotauglich im Zaum zu halten, befördern die tragikomische Entwicklung des Radikal-Kammerspiels. Schwarzer Humor ist eher selten im deutschsprachigen Kino, in österreichischen Filmen dagegen häufiger zu finden, oft gepaart mit einer ordentlichen Portion Depression, wie etwa in den Filmen von Ulrich Seidl. Diese Depression ist in „Immer nie am Meer“ Ausgangslage, nicht Grundstimmung; von ihr aus schrauben sich die Gespräche während der unfreiwilligen Gefangenschaft über Kalauer und Albernheiten immer sinnentleerter ins Absurde. Als „Psycho-Groteske“ haben Grissemann und Stermann den Film eingeordnet – das trifft die nachtschwarze Verzweiflungskomik ganz gut. Heinz Strunks Humor fügt sich ins Bild, hellt die Lakonie des österreichischen Duos auf und setzt, buchstäblich von der Rückbank aus, einen Kontrapunkt zur Eingespieltheit des Teams Stermann/Grissemann. „Immer nie am Meer“ ist gewissermaßen eine hoffnungslose Version von „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem Bill Murray als zynischer Nachrichtensprecher durch stetige Wiederholung ein- und desselben Tages zum sozial verträglichen Menschen umgekrempelt wird.
Julia Teichmann
Kritik aus film-dienst Nr. 20/2007
Kritik aus dem EPD-FILM:
Immer nie am Meer
Österreichische Komik: Drei Männer allein im Wald
"Gott, was kommt als Nächstes." Es ist nicht das letzte Mal, dass der durch Österreich tingelnde Entertainer Schwanenmeister (Heinz Strunk) diesen Seufzer ausstößt. Der Abend lief schlecht: Man hat seine Gags nicht verstanden, eine Power-Walkerin gab ihm zweimal einen Korb, und eben gerade, beim Wichsen auf der nächtlichen Landstraße, hat er im Eifer des Gefechts die Kupplung seines Wagens gelöst und ist in den Graben gerollt. Gott, was kommt als Nächstes.
Als Nächstes kommen Baisch (Dirk Stermann) und sein schwer besoffener Schwager Anzengruber (Christoph Grissemann) im Auto. Mit Schwanenmeister auf der Rückbank treffen sie wieder auf die Geherin, kommen von der Straße ab und im Wald zwischen zwei Bäumen zum Stehen. Die Türen lassen sich nicht öffnen, die Fenster nicht einschlagen, sie sind aus Panzerglas. Den Benz hat Baisch bei Ebay ersteigert, es handelt sich um den Dienstwagen des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim.
Drei Männer gefangen in der Karre eines Ex-Nazis: Was nun beginnt, ist eines der komischsten und zugleich düstersten Kammerspiele der letzten Jahre. Gemeinsam mit Regisseur Antonin Svoboda haben das deutsch-österreichische Komikerduo Grissemann & Stermann und ihr norddeutscher Bruder im Geiste Heinz Strunk drei Jahre am Drehbuch gefeilt, und es ist gut geworden. Ihr Grundthema ist die Vergeblichkeit aller menschlichen Bemühungen, das langsame Schlechterwerden aller Verhältnisse, und in "Immer nie am Meer" kommt es tatsächlich immer noch ein bisschen dicker. Derbe körperlich geht es dabei zu, Schorf wird gegessen und Urin getrunken, aber immer auch höflich und zivilisiert, der große Ausbruch findet nicht statt, das Kammerspiel wird nie zur großen Tragödie. Man weiß ja nicht mal, wie man richtig um Hilfe schreit.
Da die Körper ruhen müssen, treibt die Sprache das Geschehen an, und selten hat man sie so pointiert gehört wie hier, wobei sie doch ganz ohne billige Pointen auskommt. Sie ist kunstvoll, aber immer passend zur Figur, die sich mit ihr die Zumutungen der Welt vom Leib hält. Baisch, dem bärenhaften Archäologieprofessor mit bröckelnder Ehe, gerinnt noch jeder Satz zur bildungsbürgerlichen Sentenz, die die eigene Erfahrung in vorsintflutliche Ferne rückt. Anzengruber ist sein zynischer Widerpart, immer darauf bedacht, Baischs gemütliches Phlegma kaputtzureden, das sich bei ihm selbst nur durch intensiven Tabletten- und Alkoholgenuss einstellt.
Als Dritter im Bunde gibt Schwanenmeister den polymorph-perversen Chor von der Rückbank, ein Sänger und Dichter, ein Weiser und schon bald auch ein Narr. Er vergisst auch in höchster Not die Liebe nicht und ist als praktizierender Asket den Bedürfnissen des Körpers am wenigsten ausgeliefert. Die sprachlichen Feinheiten der Dialoge enthüllen die Temperamente dieser drei so unterschiedlichen Männer genau und unterfüttern noch die derbsten Gags mit einer Aura existenzieller Not, die die Komödie in die Sphären des absurden Theaters hebt. Mann wartet. Auf Hilfe. Auf Godot. Auf Gott. Und, so viel sei verraten, jemand kommt dann auch. Und es wird noch ein bisschen schlimmer. Volker Hummel
Warten auf Godot im Wagen von Kurt Waldheim: Regisseur Antonin Svoboda vereint in seinem Kammerspiel über drei Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs gekonnt derbe Komik mit existenziellen Grundfragen. Lustiger kann menschliche Not nicht werden.
Erschienen in: epd Film
am: 26.09.2007
Erscheinungsnummer: 10/2007
Autor: Volker Hummel