achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

Old Joy

FREITAG     2. Januar um 20.30 Uhr
SAMSTAG   3. Januar um 20.30 Uhr
SONNTAG   4. Januar um 20.30 Uhr

Eintritt: 5,00 Euro

50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.

Kurzbeschreibung

Zwei alte Freunde, die vor Jahren in einer Wohngemeinschaft lebten, verabreden sich zu einem Wanderausflug, um eine tief im Wald gelegene heiße Quelle zu finden. Doch schon kurz nach dem Wiedersehen wird deutlich, dass sich beide auseinander gelebt haben und nur noch wenig miteinander anzufangen wissen. Die wortkarge Spannung löst sich, als sie am überwältigenden Ziel ihrer Wanderung angekommen sind. Ein minimalistisch inszenierter Film, der die Entfremdung der Protagonisten auf kontemplative Weise erfahrbar macht und durch Auslassungen und kluge Zurückhaltung mit stiller Schönheit beglückt.
Gewinner des Tiger Award Rotterdam Filmfestival 2006

Im Film fällt der Ausspruch: "Trauer ist vergangene Freude". Dieser Satz ist titelgebend: (Old Joy = vergangene Freude = Trauer)

Nina Töllner von der zitty:
Mit zwei Jahren Verspätung kommt der in den USA auf Independent-Festivals und von der Kritik gefeierte Film von Kelly Reichardt nun auch hierzulande ins Kino. „Old Joy“ erzählt auf stille, subtile Weise von Entfremdung und Abschied zweier Menschen und liefert nebenher noch eine Metapher für den traurigen Zustand der Linken in den USA.
Von einer Handlung zu sprechen wäre beinahe übertrieben. „Old Joy“ ist ein Stimmungsfilm, dessen langsame, fast meditative Bilder, unterlegt von den melancholischen Gitarrenklängen der Band Yo La Tengo, einen unweigerlich in ihren Bann ziehen. Nicht zu vergessen: das eindringliche Spiel der Hauptdarsteller Daniel London und Will Oldham (Musikfreunden auch bestens bekannt als Singer/Songwriter Bonnie „Prince“ Billy). Die Beziehung von Kurt und Mark changiert zwischen Distanz, unterschwelligen Spannungen und vorsichtigen Wiederbelebungsversuchen früherer Nähe.

Joachim Kurz von kino-zeit.de:
Vor allem aber besticht der Film, der sich eher an Zuschauer mit viel Geduld und minimalen Erwartungen an wendungsreiche Plots richtet, durch die wundervolle Musik der Independent-Band Yo La Tengo.

Holger Römers von der führenden Fachzeitschrift Filmdienst
Man muss „Old Joy“ wohl erst sehen, um zu glauben, dass banale Straßeneindrücke, mit Musik der Band Yo la Tengo unterlegt, tatsächlich zu den schönsten Sequenzen gehören, die das Kino der letzten Jahren zu bieten hatte.
...Wie schön diese wunderbar einfache Independent-Produktion ist, kann man sich kaum vorstellen. Eine Beschreibung könnte ihre Schönheit unmöglich vermitteln. Man muss sie einfach selbst gesehen haben.

Lukas Foerster von critic.de:
Kelly Reichardts Film wird denn auch bestimmt von sanfter Melancholie, bleibt eine subtile, vielschichtige Bestandsaufnahme ohne Lösungsvorschlag.
Ihr neues Werk wurde auf Festivals so frenetisch gefeiert wie kaum ein anderer amerikanischer Independentfilm der letzten Jahre. Weit weg ist Old Joy von den Indiewood-Produktionen der Weinsteins und ihrer Kollegen, von einem Kino, das sich von den großen Studioproduktionen immer schwerer unterscheiden lässt. Viel näher steht Reichardt dem aktuellen world cinema, dem neuen Kino der Langsamkeit, das vornehmlich in Asien, manchmal auch in Südamerika oder Europa stattfindet. In der Auseinandersetzung mit filmischen Formen aus anderen Kontinenten gewinnt Reichardt einen genauen Blick auf die amerikanische Gegenwart. Reichardt setzt auf ökonomische, fast klassizistische Kadrierungen. Old Joy hat es nicht nötig, die Welt oder die Menschen, die in ihr leben rätselhafter zu machen, als beide es in sich selbst ohnehin schon sind.

Filmdaten

Old Joy (vergangene Freude)
USA 2006
Budget: 30.000 Dollar!!!, Drehzeit 10 Tage
Verleih: Peripher Filmverleih in Berlin
Transport per TNT ins Stift, Weiterversand nach Leipzig
Format: 1 : 1,66
Länge: 76 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
deutsche Erstaufführung: 23. Oktober 2008
Original mit deutschen Untertiteln
(by the way: in gut verständlichem Englisch zudem wird nicht viel gesprochen)

Regie/Buch/Schnitt: Kelly Reichardt
nach einem Kurzgeschichte von Jon Raymond
Kamera: Peter Sillen
Musik: Yo La Tengo

Darsteller: Daniel London (Mark), Will Oldham (Kurt), Tanya Smith (Tanya), Robin Rosenberg (Kellnerin), Keri Moran

Filmhomepage vom deutschen Verleih mit Trailer (Peripher)
Presseheft mit Filmplakat
Termine und Aufführungsorte mit diesen Termin im Kino achteinhalb
Offizielle Website zum Film (Kino International)

Interview mit Kelly Reichardt und Daniel London auf YOUTUBE (3:24 Minuten)
Kelly Reichardt über ihren Film Old Joy (in deutsch)

Artikel bei Intro.de über Will Oldham: Der hässlichste Sänger

WIKIPEDIA
über Will Oldham
über Yo La Tengo

Kritiken & Infos zu diesem Film via URLs/Links

Presseschau:
angelaufen.de : US-Film über zwei alte Freunde auf einer Wanderung
Film-Zeit.de

Filmfachzeitschriften:
Filmdienst: Entdeckungen

Presse:
Frankfurter Rundschau (FR) : Jenseits vom Brokeback Mountain
Der Tagesspiegel : ein Wanderfilm besonderer Art
Die Tageszeitung (taz) : Alles, was kaputtgeht
Der Standard : Ausflug ins Grüne
zitty : Ballade über vorsichtige Wiederbelebungsversuche früherer Nähe

Das WEB:
kino-zeit.de : Männer im Wald
perlentaucher.de : in die Natur
critic.de : Männerausflug wird zum Abgesang auf die amerikanische Linke

FILMZ - umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de

ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst

„Old Joy“ ist ein Film, dessen besondere Qualitäten sich der Beschreibung weitgehend entziehen, weil sie das Ergebnis von Zurückhaltung, von Auslassungen und Aussparungen sind. Es passiert nicht viel und es wird nicht viel gesprochen; Kameraarbeit und Montage sind minimalistisch, ohne in einem strengen Formalismus zu münden, der Aufmerksamkeit verlangen würde. Wie schön diese wunderbar einfache Independent-Produktion ist, kann man sich kaum vorstellen. Die Regisseurin Kelly Reichardt debütierte Mitte der 1990er-Jahre mit „River of Grass“, einem herrlich verqueren, feministischen Gegenentwurf zu "Bonnie & Clyde". Doch danach vergingen elf Jahre, bevor sie mit „Old Joy“ endlich ihren zweiten Spielfilm fertig stellte. Ihre Freundschaft zu Todd Haynes, der hier als ausführender Produzent firmiert, gab den Anstoß, dessen Heimat Portland als Handlungsort zu wählen. Dort wurde für lächerliche 30.000 Dollar mit einem winzigen, sechsköpfigen Team auf Super-16mm gedreht, wobei lokale Experimentalfilmer und Videokünstler Logis gewährten und als Nebendarsteller einsprangen. Außer den beiden Protagonisten ist über weite Strecken allerdings niemand auf der Leinwand zu sehen, denn die Handlung besteht größtenteils aus einem Wanderausflug durch ein einsames Waldgebiet im amerikanischen Nordwesten. Zu diesem Ausflug wird ein Mann namens Mark telefonisch von seinem alten Freund Kurt eingeladen, der offenbar gerade in der Stadt ist. Vor Jahren haben die beiden Mittdreißiger in einer Wohngemeinschaft gelebt, doch mittlerweile ist Mark verheiratet und erwartet sein erstes Kind, wohingegen Kurt ein späthippieskes Vagabundendasein führt. Er berichtet von kurz zurückliegenden Parties im kalifornischen Hippie-Mekka Big Sur und von Aufenthalten in einem New-Age-Refugium in New Mexico. Obwohl seine Frau alles andere als begeistert ist, lässt sich Mark dazu überreden, spontan Schlafsack und Zelt in den Kofferraum zu packen, um mit Kurt eine tief im Wald gelegene heiße Quelle aufzusuchen. Auf der Fahrt aus der Stadt hinaus schnappt die Kamera beiläufig einen ersten stummen Blick von Mark auf, der erahnen lässt, dass er mit der verträumten Weltsicht seines alten Freundes nicht mehr viel anzufangen weiß. Wenn beide abends beim Lagerfeuer zusammensitzen, macht ein Gegenschuss des in Großaufnahme stumm zuhörenden Mark erst recht klar, dass ihn Kurts versponnene philosophische Spekulationen befremden. Dass Menschen sich auseinander leben, ist freilich banal. Aber Reichardt bringt die schlichte Tragik, die in solch einer Entwicklung liegen kann, mit einer ebenso präzisen wie einfachen Schnittfolge leise auf den Punkt. Wenn die zwei sich dann am nächsten Morgen aufmachen, um den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen, liegt über der Wanderung eine entsprechend wortkarge Spannung. Doch gerade deshalb wirkt es schließlich umso befreiender, wenn Reichhardt mit einer rhythmisch perfekt geschnittenen, beinahe stummen Sequenz die zauberhafte Idylle vor Augen führt, die Mark und Kurt am Ziel ihrer Wanderung erwartet und ihnen ein letztes wortloses Einvernehmen ermöglicht. Mit ähnlich simplen Mitteln könnte gegenwärtig wohl nur der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasetakuhl einen so überwältigenden Eindruck der einsamen Natur im Kinosaal zeugen. Aus eigener Erfahrung weiß jeder, dass die beiden die im Laufe der Jahre gewachsene Distanz wohl nie wieder überbrücken werden, weshalb die abschließenden Impressionen von der Rückfahrt ganz dezent eine nachhaltig traurige Wirkung entfalten. Schon auf dem Hinweg hatte die Kamera den beiden Männern zwei-, dreimal den Rücken gekehrt, um Bilder der am Auto vorbeiziehenden Landschaft einzufangen. Diese kurzen Sequenzen wurde mit sanften Gitarrenakkorden unterlegt, die den fast ungeschnittenen Fahrtaufnahmen eine wunderbar kontemplative Wirkung verleihen. Auch für diese abschließenden drei, vier Minuten gilt: Eine Beschreibung könnte ihre Schönheit unmöglich vermitteln. Man muss sie einfach selbst gesehen haben.
Sehenswert ab 16.
Holger Römers
Kritik aus film-dienst Nr. 22/2008