Kino & Kultur e.V.
antifaschistischer Filmabend
Veranstalter: VVN-BDA/Kreisvereinigung Celle
Celler Kreisvereinigung der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes)
Anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der Celler Kreisvereinigung der VVN laden wir zu einem antifaschistischen Filmabend ein. Der 1993 unter der Regie von Andreas Gruber gedrehte Film „Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen" dokumentiert die Ereignisse der „Mühlviertler Hasenjagd". Wie in Celle im April 1945 organisierte die NSDAP, SS und die Bevölkerung im österreichischen Mühlviertl eine Hetzjagd. Verfolgt wurden sowjetische Kriegsgefangene, denen es gelang, aus einem Kriegsgefangenenlager auszubrechen. Die VVN wurde 1947 von Überlebenden des Naziterrors gegründet. Seitdem engagiert sie sich in der Gedenkstättenarbeit, antifaschistischer Bildung sowie in Bündnissen gegen alte und neue Nazis.
Eintritt: frei
"Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen"
Österreich 1993
Länge: 105 Minuten
Bild: 4:3 Letterbox
Crew:
Buch und Regie: Andreas Gruber
Kamera: Hermann Dunzendorfer
Schnitt: Eva Schneider, Hubert Canaval
Kostüme: Maria Schicker
Ausstattung: Susanne Quendler
Musik: Peter Androsch
Produktion: Provinz Film International, Daniel Zuta Film, Rattlesnake Pictures
Cast:
Frau Karner: Elfriede Irrall
Fredl Karner: Rainer Egger
Michail: Oliver Broumis
Nikolai: Merab Ninidze
Mitzi Karner: Kirsten Nehberg
Berghammer: Thierry Van Werveke
Gendarm Birker: Rüdiger Vogler
Die Filmgeschichte hält sich authentisch an die Ereignisse der „Mühlviertler Hasenjagd“ vom Februar 1945 rund um Mauthausen. Michail und Nikolai, zwei russische Offiziere, vegetieren unter unmenschlichen Bedingungen im Todesblock 20 des KZ Mauthausen. Sie sind Tag für Tag froh, die Kälte des Winters, die sadistischen Spezialbehandlungen von SS-Offizier Strasser und die Selektionen zu überleben. Michail und Nikolai wissen wie alle anderen auch, dass sie nur mehr Tage, höchstens Wochen, zu leben haben und beteiligen sich an der streng geheimen Planung eines Ausbruchs.
Mit Feuerlöschern, Kohlestücken und Holzschuhen werden die Posten auf den Wachtürmen bombardiert und damit auch die MGs ausgeschaltet. Mit nassen Decken wird der Strom im Stacheldraht kurzgeschlossen. Von den etwas 500 am Ausbruch beteiligten KZ-Häftlingen kommen etwa 150 Häftlinge über den unmittelbaren KZ-Bereich hinaus. Auch Michail und Nikolai schaffen gemeinsam mit Andrej die Flucht.
Die SS lässt in allen umliegenden Dörfern Alarm geben. SS-Offizier Strasser ruft die Zivilbevölkerung auf, die Flüchtigen wie Hasen zu jagen und alle Aufgegriffenen auf der Stelle zu töten. Michail, Nikolai und Andrej müssen diesen Aufruf aus einem sicheren Versteck mitanhören.
Auch Fredl Karner muß sich an der Jagd des Volkssturms beteiligen. Er ist kurzsichtig und deshalb für die Wehrmacht untauglich, aber für den Volkssturm reicht es. Im Zuge dieser Menschenjagd muß Fredl Karner unvorstellbare Grausamkeiten der SS, aber auch der Zivilbevölkerung mitansehen. Einige Dutzend Häftlinge werden brutal zu Tode gebracht. Fredl hält sich dabei zwar raus, kann aber nichts verhindern. SSler Strasser führt genau Buch über die Anzahl der getöteten KZler.
Mit viel Glück können Michail und Nikolai ihren Verfolgern immer wieder entkommen. Andrej allerdings, der sich von den beiden getrennt hat, wird erschossen. Schließlich kommen Michail und Nikolai zum Haus der Familie Karner. Die Mutter von Fredl ist trotz Todesgefahr – die SS hat angedroht, alle zu töten, die den Flüchtigen helfen – sofort bereit, die beiden russischen Offiziere zu verstecken.
Dadurch gerät die Familie Karner mehrmals in höchste Gefahr, besonders als die SS das gesamte Haus durchsucht. Einmal kann die jüngste Tochter der Karners Michail und Nikolai vor der anrückenden SS warnen. Doch auch Fredl Karner kommt in einen schweren Konflikt, denn er weigert sich, den Befehl von SSler Strasser auszuführen und einen schwer verletzten KZ-Flüchtling zu erschießen. Strasser lässt Fredl Karner von der Gendarmerie verhaften und will ihn zur Gestapo nach Linz bringen lassen. Der Gendarm, ein Regimegegner, lässt Fredl allerdings wieder laufen.
Die SS stellt das Haus der Karners noch einmal auf den Kopf. Doch wieder findet sie Michail und Nikolai nicht. Aus Angst davor, doch noch zur Front einrücken zu müssen, versteckt sich Fredl Karner gemeinsam mit den beiden russischen Offizieren vor der SS.
Endlich ist der Krieg vorbei. SSler Strasser stiehlt einen Trachtenanzug und taucht unter. Die Dorfbewohner denunzieren sich gegenseitig. Michail hat sich in Mitzi, die älteste Tochter der Karners, verliebt und möchte bei ihr bleiben. Doch Mitzi will nicht, und so kehren Michail und Nikolai nach Russland zurück.
Stephan Kliemstein :
In seinem bewegenden Spielfilm "Hasenjagd" arbeitet Andreas Gruber die schrecklichen Ereignisse der "Mühlviertler Hasenjagd" auf: Im Block 20 des Konzentrationslagers warten 500 russische Kriegsgefangene, die sich weigerten an der Seite der deutschen Wehrmacht zu kämpfen, auf ihre Exekution. Im Wissen um ihren sicheren Tod wagen die Offiziere der Roten Armee eines Nachts den Ausbruch: Mit nassen Decken schließen sie den Strom der Stacheldrähte kurz, greifen Wachtürme und Soldaten mit Feuerlöschern, Kohlestücken und Holzschuhen an. Nur 150 Häftlingen gelingt die Flucht, alle anderen werden kaltblütig erschossen. Noch in derselben Nacht ruft die SS die Bevölkerung auf, "die KZler zu jagen wie die Hasen". Ordnungsgemäß und sorgfältig hakt der SS-Einsatzleiter jeden Getöteten auf seiner Liste ab - die Fiktion könnte den Horror nicht grausamer schildern. Neun Gefangene überleben die Flucht. Zwei von ihnen, Michail und Nikolai, nur deshalb, weil eine furchtlose Bäuerin sie in ihrem Haus versteckt. "Hasenjagd" zeigt das Schicksal der beiden Entflohenen. Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury, San Sebastian, dem Preis der Filmkritik von Amiens und dem Publikumspreis der Diagonale schildert der in Wels geborene Regisseur Andreas Gruber die "Mühlviertler Hasenjagd" mit schonungsloser Härte und bewegt sich dabei stilsicher auf gefährlichem Terrain, irgendwo zwischen Spielfilm und beherzter Vergangenheitsbewältigung. Wozu ist der Mensch fähig, im Guten wie im Bösen? Diese Frage thematisiert Gruber ohne sich dabei jemals in Gewaltorgien und voyeuristischem Populismus zu verlieren. Das Grauen in "Hasenjagd" zeigt sich indes von seiner perfidesten Seite: in Form von menschlicher Kälte und Tatenlosigkeit. Lieber wegschauen als die Hand reichen. Lieber Türen verschließen als sie zu öffnen. Dennoch blitzt Hoffnung auf. Vereinzelt, ohne Beständigkeit. Ein Schlag ins Gesicht für jeden, der behauptet, Hilfe sei unmöglich gewesen. Authentisch und dennoch spannend wie ein Thriller ist "Hasenjagd" ein mutiger und wichtiger Film - stets eng an den Fakten, voll unerfüllter Sehnsüchte.
Stephan Kliemstein
Webseite des Films