Kino & Kultur e.V.
FREITAG | 8. Februar | um 20.30 Uhr |
SAMSTAG | 9. Februar | um 20.30 Uhr |
Eintritt: 4,50 Euro
50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.
3 Burials war 2005 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes vertreten, wo er den Preis für das Beste Drehbuch (Guillermo Arriaga) sowie für den Besten Darsteller (Tommy Lee Jones) bekam. 3 Burials hat ausschließlich positive, ja begeisterte Kritiken. Dass diese Independent Produktion (Produktion: Luc Besson und Tommy Lee Jones) fast 2 Jahre lang keinen deutschen Verleih fand, ist daher um so unverständlicher.
Inhalt:
Die Geschichte spielt an Rio Grande, dem Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko.
Ein junger US-Polizist hat versehentlich einen mexikanischen Schäfer erschossen und wird daraufhin von dem amerikanischen Freund des Schäfers entführt. Der Polizist muss den Leichnam nun gemeinsam mit dessen Freund, der dem Toten die letzte Ehre erweisen möchte, über die Grenze in die mexikanische Heimat schaffen, um ihn in heimischer Erde zu bestatten.
Die Geschichte einer Freundschaft in einem Kultur-und Landschaftsgebiet, das durch eine internationale Grenze geteilt wird. Die Geschichte spielt zwar im 21-Jahrhundert ist aber ans Genre des Westerns angelehnt. Die Geschichte eines jungen Polizisten, der noch nichts mehr im Kopf hat als cool sein und seine Selbsterhaltung, von Freundschaft und Verantwortung nichts weiss.
Tommy Lee Jones gab Barry Pepper das altestamentarische Koholet zum Lesen, damit dieser seine Inspiration zur Interpretation seiner Rolle als Polizist entwickelt.
Der epische Spätwestern entwickelt in eindrucksvollen Bildern eine nahezu klassische Tragödie, deren Charaktere einem steten Wandel unterliegen. Dabei überzeugt der Film ebenso durch Erzählstruktur wie durch die fabelhaften Darsteller.
3 Burials wird zwar vom Hauch des Spätwesterns getragen, lässt sich ansonsten aber in kein (Genre-)Korsett zwängen – ein bildgewaltiges Erlebnis mit einer eindrucksvollen
weiterhin zum Film: kann man mal sehen was ne Einzelmassnahme, ne intensive Beziehungsarbeit in der Jugendhilfe/Abenteuerpädagogik so bewirken kann...
USA/Frankreich, 2005
Kinostart: 8. November 2007
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12; f
Verleih: Salzgeber Berlin
Cinemascope
per TNT ins Stift, Rücktransport wird von Salzgeber beauftragt
Produktion: | Michael Fitzgerald, Tommy Lee Jones, Luc Besson, Pierre-Ange Le Pogam |
Regie: | Tommy Lee Jones |
Buch: | Guillermo Arriaga |
Kamera: | Chris Menges |
Musik: | Marco Beltrami |
Schnitt: | Roberto Silvi |
Darsteller: | Tommy Lee Jones (Pete Perkins), Barry Pepper (Mike Norton), Julio César Cedillo (Melquiades Estrada), Dwight Yoakam (Sheriff Belmont), January Jones (Lou Ann Norton), Melissa Leo (Rachel), Vanessa Bauche (Mariana), Levon Helm (Old Man W/Radio), Mel Rodriguez (Captain Gomez), Cecilia Suárez (Rosa) |
Offizielle Website zum Film (Sony Classics)
Presseheft
Plakat
Trailer
Drehbuchautor Guillermo Arriaga in Wikipedia
Fluter
Schnitt.de
Kino-Zeit
Pressespiegel in Film-Zeit
Pressespiegel in angelaufen.de
WIKIPEDIA
arte
Tagesspiegel
Spiegel
taz
NZZ
Welt
FAZ - Der beste Western seit langem
Süddeutsche - Thommy Lee Jones wunderbarer Western
umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de
Kurzkritik aus dem Film-Dienst:
Als ein Ranger versehentlich einen mexikanischen Tagelöhner erschießt, will ein Ranch-Vorarbeiter ein dem Toten gegebenes Versprechen einlösen und ihn in der Heimaterde würdig begraben. Er nimmt den Todesschützen als Geisel und begibt sich mit ihm sowie dem Toten auf eine beschwerliche Reise nach Mexiko. Der epische Spätwestern entwickelt in eindrucksvollen Bildern eine nahezu klassische Tragödie, deren Charaktere einem steten Wandel unterliegen, wobei die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Dabei überzeugt der Film ebenso durch die verschachtelte Erzählstruktur wie durch die fabelhaften Darsteller.
ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst:
Große Tragödien nehmen ihren Anfang im Alltäglichen, im Banalen. Das ist im texanischen Grenzgebiet zu Mexiko nicht anders. Der Alltag der Grenzschützer besteht darin, illegale Einwanderer aufzubringen und einzusperren; die Wartezeit zwischen den Einsätzen vertreibt man sich schon einmal damit, Kojoten abzuschießen. Alles ändert sich an dem Tag, als einem der Grenzleute, Mike, der illegal in den USA lebende Rancharbeiter Melquiades versehentlich vor die Flinte kommt. Plötzlich hat der gar nicht so kernige Texas-Ranger, der sich in der Rolle des Macho gefällt, einen toten Mexikaner auf dem Gewissen und weiß vor Panik weder ein noch aus. Ein flaches Grab ist im harten Wüstenboden schnell gescharrt, doch da die Kojoten der Leiche keine Ruhe lassen, ist bald ein zweites Begräbnis nötig, diesmal auf Staatskosten und mittels eines Baggers, sodass die tierischen Leichenfledderer keine Chance haben. Alle Beteiligten könnten zufrieden sein, zumal die Staatsgewalt kein Interesse daran hat, die versehentliche Erschießung eines Mexikaners an die große Glocke zu hängen. Das sieht Ranch-Vorarbeiter Pete, der mit Melquiades ein verhalten freundschaftliches Verhältnis pflegte, anders. Er hat dem Toten versprochen, ihn im Falle seines Ablebens in der geliebten Heimat zu begraben, auf dem Friedhof des idyllisches Dorfs, in dem Frau und Kinder darauf warten, dem Mann ins gelobte Land folgen zu können. Pete ist gewillt, sein Ehrenwort zu halten. Er kidnappt den Todesschützen, zwingt ihn, die bereits in Verwesung übergehende Leiche auszugraben und auf ein Packpferd zu laden. Bevor Melqiuiades’ letzte Reise nach Mexiko losgehen kann, hat Mike allerdings noch einige Lektionen in Sachen Demut zu lernen. In der Hütte des Toten muss er aus dessen Tasse trinken und in dessen Kleidung schlüpfen, erst danach begibt man sich auf den Ritt in Richtung Grenze, auf eine zunächst von Hass begleitete Reise, in deren Verlauf sich die Fronten zwischen den zunächst unversöhnlichen Feinden jedoch unmerklich wandeln und kein Stein auf dem anderen bleibt. Dem Redneck-Ranger läuft die Frau davon, und Petes Gelegenheitsgeliebte Rachel, Barfrau des Saloons, offenbart alles andere als unverbrüchliche Treue. Im Hintergrund agiert die Grenzpolizei, die die drei Grenzgänger in einer Mischung aus Unlust und sportlichem Ehrgeiz verfolgt. Im Lauf der Flucht kommen sich nicht nur Geisel und Geiselnehmer näher, auch ihr Persönlichkeitsprofil wandelt sich unmerklich. Aus dem anfänglich verabscheuungswürdigen Täter wird ein Opfer, während die Figur des wackeren Rächers zunehmend manische Züge annimmt. Dies wird spätestens deutlich, als Pete einen Schleuser braucht, um illegal nach Mexiko einzureisen. Am Ziel der Reise, einem Ort, den es nie gegeben hat, vor dessen imaginären Hintergrund sich der Tote sein (Familien-)Leben zurecht gelogen hat, löst sich die letzte Grenzziehung zwischen Gut und Böse auf. Pete erklärt ein längst verlassenes Dorf, das nur aus einigen Ruinen besteht, zur Heimat des Toten, zwingt Mike, sein Opfer um Vergebung zu bitten, und reitet seiner Zukunft entgegen: als Mann, der seine Aufgabe erfüllt hat, ohne von ihr noch überzeugt zu sein. Gebrochene Helden sind erzählerisch ohnehin dankbarer als strahlende, aber selten wurde ein tragisches Scheitern so bewusst gemacht wie im Debütfilm des Schauspielers Tommy Lee Jones (Auf der Flucht). Hier erfüllt keine Figur die Erwartungen, die anfänglich in sie gesetzt werden: Der Böse ist nicht wirklich böse, sondern eher feige und weich, versteckt seine Schwächen hinter einer vermeintlichen Machtposition, der Gute ist alles andere als gut, am Ende sogar an der Schwelle zum Irrsinn. Sogar der unschuldige Tote ist nicht unschuldig, weil sein Traum von einer heilen Welt das Tor zum seelischen Inferno öffnet, in dem sich jeder seinen Dämonen stellen muss. Als klassischer Dreiakter angelegt, wie die Kapiteleinteilungen signalisieren, reiht sich der Film in die Tradition antiker Tragödien ein. Egal, wie sich die Figuren entscheiden, sie werden letztlich immer gegen die eigenen Interessen handeln, nie ihrem Selbstbild gerecht. Diese Erzählhaltung führt an den Abgrund der Personen heran, legt ihre Seelen bloß und verstört den Zuschauer; auch bringen ihn die gescheiten Drehbucheinfälle von Guillermo Arriaga (Amores Perros; Babel) aus dem Gleichgewicht, der in den ersten beiden Kapiteln Zeit und Raum virtuos variiert, Geschichten verzahnt, mit zeitlich versetzten Erinnerungen die eigentliche Filmgeschichte unterwandert und erst im letzten Kapitel, der Flucht, zu einer linearen Struktur findet. Der mit Preisen überhäufte Film wird zwar vom Hauch des Spätwesterns getragen, lässt sich ansonsten aber in kein (Genre-)Korsett zwängen – ein bildgewaltiges Erlebnis mit einer eindrucksvollen atmosphärischen Musik, die in ihren Bann zieht. Einmal mehr wird hier die zeitlose Frage von Schuld und Sühne gestellt und zugleich vielschichtig unterwandert; denn für komplexe moralische Konflikte gibt es eben einfachen Lösungen.
Hans Messias Kritik aus film-dienst Nr. 23/2007
Kritik aus EPD-Film 11/2007
von Rudolf Worschech
Das Regiedebüt des Schauspielers Tommy Lee Jones
Das erste Begräbnis: Jäger finden den verscharrten Melquiades Estrada, den ein Koyote aus seiner provisorischen letzten Ruhestätte gezerrt hat. Melquiades war ein illegaler mexikanischer Cowboy im südlichen Texas, in der Gegend um den Rio Grande nahe an der Grenze. Selten zuvor war eine Landschaft so beredt wie in diesem Film: karg und doch majestätisch, unwirtlich und doch vertraut ist sie der Hintergrund für eine archaische Geschichte, die um Freundschaft und Vergeltung und Schuld und Versöhnung kreist. Die Polizei will Mels Leiche so schnell wie möglich loswerden und untersucht die Umstände seines Todes nicht; er wird, ohne dass überhaupt sein Geburtsort bekannt ist, zu Grabe gelassen. Das ist das zweite Begräbnis des Melquiades Estrada. Sehr schnell kommt Mels Vorarbeiter Pete, gespielt von Jones selbst, dahinter, dass ein Mann der Grenzpatrouille den Mexikaner erschossen hat, mehr oder weniger aus Versehen. In der ersten Hälfte seines Films entfaltet Tommy Lee Jones ein Geflecht der Menschen in einem kleinen texanischen Grenzkaff. Der Einzelgänger Pete, der Sheriff, die Besitzerin des Restaurants, die mit beiden schläft, der unsicher wirkende Grenzpolizist Mike und seine Frau, die in einem Trailer-Park leben. Immer wieder springt der Film zwischen den Zeitebenen: Das Drehbuch hat Guillermo Arriaga geschrieben, der Autor von Amores Perros, 21 Gramm und Babel. Und ein Freund des in Texas aufgewachsenen Tommy Lee Jones. Pete kidnappt Mike, lässt ihn Melquiades ausbuddeln und macht sich mit den beiden auf den Weg nach Mexiko, wo er die Leiche, wie er es versprochen hat, in Mels Heimatort beisetzen will: das dritte Begräbnis. Was diesen Pete genau antreibt, lässt Jones offen. Es ist ein Freundschaftsdienst, vielleicht der Versuch, dem jungen Mike eine Lektion zu erteilen, aber auch ein Versuch, einem Menschen seine Würde wiederzugeben. Pete spricht als Einziger Spanisch. Aber er sagt nicht viel. In Filmen wie diesem kommt es darauf an, was die Männer tun, und nicht auf das, was sie sagen. Der Ritt nach Mexiko, verfolgt von den Leuten des Sheriffs und der border patrol, ist ein Akt des Respekts. Es gibt keine billigen Lacher über die Leiche, auch wenn Pete sie schon einmal mit Frostschutzmittel füllt oder sie anzündet, um die Ameisen zu verjagen. Einmal kämmt er dem Toten die Haare - und hat sie in der Hand, und auch das wirkt mehr wie eine letzte zärtliche Geste denn als schaler Leichenwitz. Mit Respekt begegnet Three < Burials > auch den Mexikanern, die nicht wie sonst überbordend skurril beschrieben werden, aber auch nicht sonderlich sympathisch oder heroisch sind. Menschen eben wie die Weißen jenseits der Grenze. In der Gegend des Films, diesseits und jenseits der Grenze, hat John Ford seinen Rio Grande gedreht, John Sayles Lone Star und Sam Peckinpah Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia, in dem Warren Oates auch den Kopf einer Leiche mit sich herumschleppte. Es ist eine Gegend, in der es mit dem Recht noch nie so weit her war. Pete nimmt es in die Hand und wird dadurch zum Outlaw. Aber, wir merken es auch am Gesicht von Tommy Lee Jones: Er kann nicht anders.
Three Burials lief schon 2005 in Cannes, wo der Film einen Drehbuchpreis erhielt und Tommy Lee Jones als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Dass dieser CinemaScope-Film, der ins Kino gehört wie kaum ein anderer in den letzten Jahren, es erst jetzt, kurz vor seinem DVD-Start, dorthin geschafft hat, ist eigentlich eine Schande.
Rudolf Worschech
Der erste Langfilm des Schauspielers Tommy Lee Jones um zwei Männer und eine Leiche ist Western und Roadmovie zugleich. Zurückhaltend in der Zeichnung ihrer Figuren, lakonisch im Ton und faszinierend in ihrer Fotografie ist diese Produktion ein großartiger Versuch, einem totgeglaubten Genre neuen Lebensatem einzuhauchen.