Das merkwürdige Kätzchen

  Freitag, 22. September 2017 - 21:50 bis Freitag, 22. September 2017 - 23:00

Im Anschluss an "The Party".
Eintritt insofern frei.

 

Damit ich es gleich los bin: "Das merkwürdige Kätzchen" ist, in meinen Augen, ein Wunder von einem Film. Ich habe mich in den ersten fünf Minuten in ihn verliebt und wenn ich im Folgenden diese Liebe nicht zu fassen bekommen sollte, dann liegt das an mir und an der vielleicht blind machenden Liebe, nicht an dem Film.  

Deutschland 2011-2013
Kinostart: 2. Januar 2014
72 Minuten
FSK: ab 0; f
Produktion: Silvan Zürcher, Johanna Bergel    
Regie/Drehbuch/Schnitt: Ramon Zürcher    
Kamera: Alexander Haßkerl  
Peripher, 1:1,66, 4.000  
   
Darsteller: Jenny Schily (Mutter), Anjorka Strechel (Karin), Mia Kasalo (Clara), Luk Pfaff (Simon), Matthias Dittmer (Vater), Armin Marewski (Schwager), Leon Alan Beiersdorf (Jonas), Sabine Werner (Tante), Kathleen Morgeneyer (Hanna), Monika Hetterle (Großmutter), Gustav Körner (Nachbarsjunge), Lea Draeger (Frau auf Balkon)


Filmhomepage, EPD-Film, Filmgazette, Programmkino.de, artechock, Kino-Zeit.deFilmzentrale, critic.de
alle Daten zum Film auf Filmportal.de, die Süddeutsche 
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Neue Züricher Zeitung: Gesellschaftsporträt 
Die Zeit: Im Metronom des Lebens - Wer einsteigt, erlebt ein kleines Kinowunder: Ramon Zürchers Debütfilm "Das merkwürdige Kätzchen" erzählt eine Familiengeschichte, ohne eine Geschichte zu erzählen. 
Die taz zur Berlinale: Austreibung der Alltäglichkeit - GEHEIMTIPP Ohne viel Handlung und mit erstaunlichem Gespür für die Möglichkeiten des Films überzeugt "Das merkwürdige Kätzchen" - und landet wie ein Ufo im deutschen Kino
Die Welt: Sinfonie einer Großstadtwohnung - Wenn Flaschen singen und Würste angreifen: Der Kinofilm "Das merkwürdige Kätzchen" verwandelt Dinge, Menschen und Räume in eine zauberhafte Choreografie des alltäglichen Umeinanderseins.
Die taz zum Kinostart: Ein spielendes Kätzchen macht Karriere. - KOMÖDIE - Erstaunlich, wie der Filmstudent Ramon Zürcher mit einer Seminararbeit die Kinowelt begeistert.  
Die taz ein weiteres Mal: Zauberwelt aus Blicken - Ein ganz eigener Witz, eine ganz eigene Wehmut durchziehen diesen Film. 

Interview mit Ramon Zürcher (Regisseur) und Silvan Zürcher (Produzent) über ihren Film „Das merkwürdige Kätzchen“.
Regisseur Amon Zürcher und Darstellerin Jenny Schily (übrigens die Tochter von Otto Schily) im Video-Interview des Berlinale-Nighttalks.
Video-Interview beim SRF - Schweizer Fernsehen.

"Das merkwürdige Kätzchen" hat es beim Jahresrating 2013 des Cargo-Filmmagazins fast auf Platz eins geschafft!

Kurzkritik Filmdienst
Ein von Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ angeregtes, experimentelles Kammerspiel: In einer Berliner Altbauwohnung gehen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn ein und aus. Dabei ist das Klima in dem bildungsbürgerlichen Haushalt ziemlich aggressiv. Mit absurden Dialogen und schräger bis surrealer Situationskomik sowie theatralen Momenten entfaltet sich die minimalistische Handlung als eindrucksvolles Pandämonium einer deutschen Mittelschichtsfamilie. - Sehenswert ab 16.

Deutscher Trailer auf der Homepage des Filmverleihs

Engl. Trailer auf Youtube von "Das merkwürdige Kätzchen":

Der Regisseur zu seinem Film "Das merkwürdige Kätzchen":

ausführliche Kritik Filmdienst
Endlich mal ein Langdebüt, das reichlich aus dem Rahmen fällt. Entstanden an der dffb im Anschluss an ein Seminar von Béla Tarr, diente Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ als Anregung für eine so sonderbar wie betörend irrlichtende Familienaufstellung. Das atmosphärisch warm fotografierte Kammerspiel, mit einer Vorliebe für malerische Rückenansichten und gestochen scharfe Stillleben von Milchgläsern oder sanft zuckenden Faltern, verortet sich bis auf wenige bebilderte Erinnerungseinschübe durchgehend in einer Berliner Altbauwohnung. Es herrscht ein Kommen und Gehen von Verwandten, Nachbarskindern und Freunden, die mit Vorliebe aus dem statischen Bild treten und aus dem Off weiter zu hören sind. Wie in einem typisch französischen Stelldichein auf dem Lande plant man einen gemeinsamen Wochenend-Abend am Küchentisch.

Banale Alltagshandlungen treiben das minimalistische Geschehen voran. Es geht um Orangenschalen, die stets mit der weißen Hautfläche auf dem Boden landen. Um das Knurren der Katze, in das der Hund wie hypnotisiert mit einstimmt. Eine Flasche kreist aus unerklärlichen Gründen im Kochtopf. Eine Wurst quittiert alle Speiseversuche mit Fettfontänen.
Die Reparatur einer Waschmaschine gehört noch zu den konkreteren Anlässen für Situationskomik und absurde Dialoge, die sich um profane Erlebnisse einzelner Figuren auf ihren Exkursionen in die Außenwelt drehen. Wie auf einer Bühne treten sie mit ihren monologischen Erzählungen in den Vordergrund, nicht ohne notorisch von dem Rest der desinteressierten Versammelten gestört zu werden. Ohnehin herrscht eine latent aggressive Spannung zwischen den auf den ersten Blick freundlich gesinnten Vertretern einer großstädtisch gebildeten Mittelschicht.
Kleine Sticheleien wechseln sich in der fein beobachteten Milieustudie mit sadistischen Demütigungen ab. Eine erzählerisch aufgeladene, wunderbar eigensinnige Geigenmusik peitscht die einzelnen Szenen voran. Die Oma nimmt niemanden wahr und hält die Sippe auf Distanz, indem sie den Tag im Bett verschläft. Wenn die aufgeweckte Clara, die jüngste im glänzend aufspielenden Ensemble, nicht Einkaufslisten schreibt, die von Rechtschreibfehlern wimmeln, versucht sie, die lauten Geräusche der Espressomaschine zu überschreien. Dabei sorgt das penetrant häufig gebrauchte Gerät nur für die harmlosere Variante einer abgewürgten Kommunikation. Mit dem Hund will niemand spielen, weil jeder glaubt, sich so zu seinem Sklaven zu machen.
Regisseur Ramon Zürcher erschafft eine kaum merkliche Kriegsstimmung. Nicht ohne Grund spricht der ältere Bruder von Gewaltausbrüchen, die er Gedankenspielen vorziehe. Am Ende steht die großartige Jenny Schily allein im Dunkel der Küche, mit schmerzverzerrtem Muttergesicht, isoliert und eingeschlossen in einen Panzer, den sie scheinbar vom menschelnden Riesenkäfer Gregor Samsa geerbt hat. Ein erstaunlicher Fremdkörper im deutschen Film, der die Aussicht auf den eigentlichen Abschlussfilm von Ramon Zürcher, der dieser hochkarätigen Etüde noch folgen muss, rosig stimmt.
Alexandra Wach, FILMDIENST 2014/1
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