Beat Beat Heart - (anschließend Filmgespräch mit der Regisseurin Luise Brinkmann)

  Freitag, 16. Juni 2017 - 20:30 bis - 22:45

Regisseurin Luise Brinkmann aus Berlin ist heute Abend zu Gast im achteinhalb.

Ankündigung in Celle Heute.

Eintritt: frei

Zu German Mumblecore:
Die Zeit: Improvisation ist das halbe Leben
Goethe-Institut
Filmportal
Programmheft Filmuniversität Babelsberg

 

Deutschland 2016
Kinostart: 27. April 2017
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 12; f

Produktionsfirma: ifs internationale filmschule köln
Produktion: Luise Brinkmann, Olivia Charamsa

Regie/Drehbuch: Luise Brinkmann
Webseite von Luise Brinkmann
Kamera: Mathis Hanspach 
Musik: Nadja Rüdebusch, Eike Swoboda
Schnitt: Maren Unterburger

Darsteller:
Lana Cooper (Kerstin), Saskia Vester (Charlotte), Till Wonka (Thomas), Aleksandar Radenkovic (Paul), Christin Nichols (Maya), Jörg Bundschuh (Manni), Caroline Erikson (Franzi), Hans-Heinrich Hardt (Friedrich), Cornelius Schwalm (Carlos), Ralf Schwieger (Pfarrer)
Daredo Media

 
Filmhomepage, Facebookseite, WikipediaEPD-Film, alle Daten zum Film auf Filmportal.de

Pressespiegel auf der Filmwebseite

Kritik
von Johannes Bluth im Spiegel
Kritik
von Andreas Busche im Tagesspiegel
Kritik von Kaspar Heinrich in der Zeit


Artikel von Anna Steinbauer in der Süddeutschen Zeitung
Die geschlechtsspezifische Benachteiligung von Frauen in der Filmbranche:
Heute sind bereits die Hälfte aller Regiestudenten weiblich. Trotzdem zeigt eine Studie der HFF, dass auf neun abendfüllende Spielfilme von Männern nur einer von einer Regisseurin (Luise Brinkmann) kommt. - "Ein Feel-Good-Movie über Liebeskummer das in Zeiten von Dating-Apps noch vom Glauben an die romantische Liebe beseelt ist."

 

Pro Quote Regie - Zusammenschluss von Regisseurinnen in Deutschland
PRO QUOTE REGIE e.V. ist im Herbst 2014 an die Öffentlichkeit gegangen. Mittlerweile sind wir über 400 Regisseurinnen, die für die Gleichstellung von Frauen in unserem Beruf eintreten. Und mehr als 400 Persönlichkeiten aus der Filmbranche gehören zu den Unterstützerinnen und Unterstützern. Wir fordern eine paritätische Besetzung aller Filmfördergremien und die Einführung einer Quote.


Der Filmdienst ist seit Jahren die führende deutsche Kinofilmfachzeitschrift. Da die Kritiken des Filmdiensts nicht ohne weiteres zugänglich sind, drucken wir sie hier ab, unabhängig ob sie positiv oder negativ ausfallen. Unser Ehrgeiz ist es nicht, Interessierte mit hohlen Versprechungen oder plakativen Etikettierunen wie "Kunstfilm" oder "besonderer Film"  ins achteinhalb zu locken. Die wenigstens Filme erhalten vom Filmdienst eine positive Kritik. Es ist daher durchaus so, dass Filme, die dort nicht so positiv "wegkommen", ansonsten durchweg positive Kritiken erhalten haben und wir auch einige Filme "klasse" gefunden haben, die vom Filmdienst kritisch bewertet worden sind. Es ist halt eine Meinung unter mehreren, aber in der Regel eine fundierte. Die höchste Auszeichnung ist das Prädikat "sehenswert", die Altersempfehlung ist eine pädagogische.

Kurzkritik Filmdienst
In einem abgelegenen Ort in der Uckermark hängt eine Frau Anfang 30 gedankenvoll einer verlorenen Beziehung nach, während sie ein leerstehendes Haus zu einem neuen Lebens- und Kulturraum umbaut und sich mit den Lebensveränderungen ihrer unerwartet angereisten Mutter konfrontiert sieht. Eine sommerlich entrückte, leichtfüßig und mitunter improvisierte Beschreibung von Menschen, die beim Lieben, Leiden und endlosen Gesprächen um sich selbst kreisen. Mit geringem technischem Aufwand inszeniert, lebt der Film von seiner Leidenschaft für sein freies, darstellerisch vorzüglich umgesetztes Erzählkonzept und vermittelt dabei ein hohes Maß an Authentizität und echten Gefühlen.
Sehenswert ab 14.
Kirsten Taylor, FILMDIENST 2017/9

Trailer (120 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst
Irgendwo in der Uckermark. Junge Menschen kreisen um sich selbst – und um das Monster Liebe, das Kerstin mit Haut und Haaren verschluckt und dann plötzlich ausgespuckt hat. Zurück in eine Welt, in der es Thomas nicht mehr gibt, der sich auf und davon gemacht hat. Was geblieben ist, sind die Erinnerungen: Huckepack durch den Sommerwald, Rumlümmeln im Gras, Planschen am See und Küssen, Küssen, Küssen. Das Glück von gestern. Kerstin klammert sich daran, damit es ihr nicht auch noch abhandenkommt.

Was macht man bloß, wenn die Liebe plötzlich weg ist? Man kann wie Kerstin verharren, warten, dass die alte zurückkehrt oder eine neue vorbeikommt. Man kann jedem vorbeifahrenden Zug hinterherbrüllen, er möge doch bitte anhalten, auf den Gleisen liegend ein „Komm zurück!“ schluchzen oder voller Wut Zement an die Wand spachteln.

Oder man kann einen Film machen wie Luise Brinkmann, die mitten im größten Verlassen-worden-Sein ihre Abschlussarbeit an der Filmschule Köln realisierte. Herausgekommen ist dabei „Beat Beat Heart“, eine Romanze über das Glück und das Leid der Liebenden, eine leichtfüßige Abhandlung darüber, was die Menschen im Anderen suchen und finden, und wie man loslässt und (über)lebt, allein oder zu zweit.

Die Bilder sind sommerlich entrückt – so wie Kerstin, diese unverhohlene An-die-große-Liebe-Glaubende, die mit der rothaarigen Maya ein Haus auf dem Lande bezogen hat. Noch liegt der Schutt herum, sind die Wände unverputzt, aber eines Tages soll es beider Landlusttraum und ein kleines Kino beherbergen. Nebenan wohnen Franzi und Paul, der schon mal anpackt und mit Kerstin Balken wegkarrt, was von seiner Freundin misstrauisch beäugt wird.

Dieses Bullerbü für moderne Thirtysomethings wird aufgemischt, als Kerstins Mutter Charlotte unangemeldet mit einem Koffer vor der Tür steht. Ein Überraschungsbesuch, sagt sie. In Wahrheit sucht sie Zuflucht, hat sie sich doch – aus Versehen – von ihrem langjährigen Partner Roman getrennt.

Dass ihre Mutter Roman dasselbe angetan hat wie Thomas ihr, ist für Kerstin kaum zu ertragen. Noch weniger, dass Charlotte auf Anraten von Maya, die mal mit diesem, mal mit jenem ins Bett geht und überhaupt davon überzeugt ist, dass Sehnsucht unfrei macht, über eine Dating-App Männerbekanntschaften sucht und fündig wird. So werden die verschiedenen Positionen ausgelotet, einige finden sich, andere trennen sich. Was ist das eigentlich, die Liebe?

Manchmal packt einen die Ungeduld, wenn man diesen Großstädtern auf dem Lande beim Lieben, Leiden und Labern zuschaut. Genug mit dem Kreisen um sich selbst, fernab jeglicher gesellschaftlicher Realität und ökonomischer Zwänge! Genug mit Sätzen, die mitunter wie Statusmeldungen klingen! Doch zugleich wirkt „Beat Beat Heart“ völlig unverstellt. Statt Pathos erkennt man hier echte Gefühle und damit eine ungeheure Authentizität – typisch für die Filme des jungen deutschen (und bislang ziemlich männlich geprägten) Mumblecore-Kinos, das auf kleine Budgets, geringen technischen Aufwand, Improvisation und freie Erzählkonzepte setzt.

Mit Lana Cooper, die 2013 in „Love Steaks“ von Jakob Lass brillierte, findet der Film ein starkes Zentrum, denn sie kann alles, das verliebte Mädchen im Blümchenkleid genauso wie die rotzige Tochter in Arbeiterhosen. Sie stiehlt dabei niemandem die Schau, weder Saskia Vester als blond verstrubbelter Mutter Charlotte noch Christin Nichols als sexfreudiger Maya, die plötzlich nicht mehr auftaucht, nachdem sie Charlotte auf einen neuen Weg geschubst hat.

„Beat Beat Heart“ erzählt viele Geschichten, wie die von Charlotte, die mit Mitte 50 staunend neue Freiheiten erkundet, oder die der von der Liebe mitgenommenen Kerstin, die festhalten will, was sie loslassen sollte, und deshalb später auch keine Liebesfilme in ihrem Kino zeigen will. Stattdessen: „Action, Splatter, Psychothriller“ und „Blut, ganz viel Blut!“ Aber wahrscheinlich wird sie ihre Meinung zum Filmprogramm noch ebenso ändern wie zum Thema Liebe. „Beat Beat Heart“ zumindest würde gut in ihr kleines Dorfkino passen – und in jedes andere Kino sowieso.

Kirsten Taylor, FILMDIENST 2017/9

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