Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

  Donnerstag, 27. April 2017 - 19:30 bis - 21:30

Eintritt: frei

Dokumentarfilm Frankreich 2015
Kinostart: 2. Juni 2016
120 Minuten
FSK: ab 0; f
 
Produktion: Bruno Levy
Regie: Cyril Dion, Mélanie Laurent
Buch: Cyril Dion
Kamera: Alexandre Léglise
Musik: Fredrika Stahl
Schnitt: Sandie Bompar

Darsteller: Mélanie Laurent

 
Filmhomepage, WikipediaEPD-FilmProgrammkino.de  


Der Filmdienst ist seit Jahren die führende deutsche Kinofilmfachzeitschrift. Da die Kritiken des Filmdiensts nicht ohne weiteres zugänglich sind, drucken wir sie hier ab, unabhängig ob sie positiv oder negativ ausfallen. Unser Ehrgeiz ist es nicht, Interessierte mit hohlen Versprechungen oder plakativen Etikettierunen wie "Kunstfilm" oder "besonderer Film"  ins achteinhalb zu locken. Die wenigstens Filme erhalten vom Filmdienst eine positive Kritik. Es ist daher durchaus so, dass Filme, die dort nicht so positiv "wegkommen", ansonsten durchweg positive Kritiken erhalten haben und wir auch einige Filme "klasse" gefunden haben, die vom Filmdienst kritisch bewertet worden sind. Es ist halt eine Meinung unter mehreren, aber in der Regel eine fundierte. Die höchste Auszeichnung ist das Prädikat "sehenswert", die Altersempfehlung ist eine pädagogische.

Kurzkritik Filmdienst
Dokumentarfilm über Initiativen, die jetzt schon weltweit nachhaltiges Wirtschaften und Leben verwirklichen und damit die Möglichkeit eines Wandels vormachen, mit dem sich prognostizierte Krisenszenarien abwenden lassen. Er überzeugt nicht nur durch den informativen Überblick über vielfältige Projekte, sondern auch durch seine Form: Die Filmemacher legen ihr Hoffnungsszenario als mitreißendes, mit einem bemerkenswerten Soundtrack unterlegtes „Road Movie“ an und schaffen es, dass sich die Neugier, mit der sie auf ihrer Reise auf verschiedene Protagonisten und deren Initiativen zugehen, auf die Zuschauer überträgt. Finanziert durch eine erfolgreiche französische Crowdfunding-Kampagne, wurde er in Frankreich mit dem "César" ausgezeichnet.
Ab 14.
Thomas Klein, FILMDIENST 2016/11

Trailer (106 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst
Seit ein paar Jahren verlegen Dokumentarfilme zu Nachhaltigkeitsthemen ihre Perspektive von der Darstellung einer katastrophalen Gegenwart, die eine noch katastrophalere Zukunft nach sich ziehen wird, hin zu positiven Bestandsaufnahmen menschliches Handelns in unserer Gegenwart: Aktivitäten, die neue Wege beschreiten, die gegen Marktgesetze aufbegehren, mit der Umwelt kooperieren und diese nicht ausbeuten, die, summa summarum, zukunftsweisend sind. Es sind Dokumentarfilme, die einen Wechsel von der Katastrophenszenario-Variante hin zu einer Hoffnungsszenario-Variante vollziehen. „Tomorrow“ ist ein solcher Film. Und er zeigt, wie erfolgreich Filme damit sein können: In Frankreich mit dem „César“ ausgezeichnet, erreichte er dort bereits über 800.000 Zuschauer, vielleicht auch, weil mit der Schauspielerin Mélanie Laurent eine populäre „Frontfrau“ mit an Bord des Projekts ist. Ausgangspunkt ist auch hier ein Katastrophenszenario: eine im Juni 2012 im wissenschaftlichen Journal „Nature“ veröffentliche Studie, wonach es zwischen 2040 und 2100 zu einem Zusammenbruch der Ökosysteme auf der Erde kommen werde, wenn der Mensch seine Gewohnheiten nicht ändert. Dann wird mit einem Protagonisten geschickt zum Zugang des Films übergeleitet: Er erzählt, dass der Mensch doch so viele Schreckensszenarien für die Zukunft erfinden könne, von Virenseuchen über gigantische Tsunamis bis zu Zombies. Geschichten über einen Wandel (im Nachhaltigkeitsdiskurs ist auch von der großen Transformation die Rede), fänden sich aber kaum. Es ist genau dies, was der Film im Folgenden will: er will auf der ganzen Welt Menschen und Initiativen zeigen, die einen Wandel auf lokaler Ebene bereits eingeleitet haben. In zehn Länder sind die beiden Filmemacher Cyril Dion und Mélanie Laurent hierfür gereist. Sie stellen Aktivisten und Unternehmungen vor, die für Zuschauer, die sich noch nicht oder nur wenig mit dem Thema beschäftigt haben, gewiss sehr informativ sind und Mut machen, was so alles möglich ist: Urban Gardening in Detroit, wodurch die Stadt sich zur Hälfte mit Nahrungsmitteln versorgt; Landwirtschaft in der Normandie, die auf Permakultur basiert; städtische Mobilität in Kopenhagen, die das Fahrrad zum wichtigsten Verkehrsmittel macht; eine lokale Währung in der englischen Stadt Totnes, die sich damit unabhängig von Finanzmärkten macht; Schulen in Finnland, die Lernen als Vorbereitung auf das Leben verstehen.

Es ist aber nicht nur das Informative, das diesen Film so gelungen macht. Denn von all diesen Handlungsweisen verschiedener Menschen in verschiedenen Teilen der Welt wird mit einer durchdachten Leichtigkeit berichtet, mit einer stellenweise fast kindlichen Neugier für das, was die Filmemacher auf ihrer Reise vorfinden. So etwa in einer Szene, wenn sich Cyril Dion von einem Ökonomen erklären lässt, wie Banken funktionieren. Diese Suche ist als Road Movie angelegt, das Filmteam zeigt sich selbst beim Unterwegssein. Damit wird die Suche und die Neugier für das Neue greifbarer und menschlicher. Mit der Wahl des Road Movies als narrativen Modus einher geht die Wahl von Popmusik als Soundtrack: Während in anderen Umwelt-Dokumentarfilmen, vor allem Fernsehproduktionen, mit Instrumental- bzw. Orchestermusik gearbeitet wird, die mal unerträglich pathetisch, mal unerträglich belanglos daherkommt, wird hier auf Musik von Fredrika Stahl zurückgegriffen, einer schwedischen Sängerin, die in Frankreich lebt und arbeitet. Ihre Musik ist eine Mischung aus Jazz und Pop. Den titelgebenden Song „Tomorrow“ hat sie den Regisseuren Cyril Dion und Mélanie Laurent geschickt, nachdem sie den Trailer zum Film sah. „Tomorrow will be if we change“, heißt es darin. In Frankreich sind viele Menschen infolge der besorgniserregenden Ergebnisse der Front National bei den Regionalwahlen 2015 diesem Ruf nach einem Wandel gefolgt und haben den Film mit einer erfolgreich verlaufenen Crowdfunding-Kampagne ermöglicht. In zwei Tagen kamen 200.000 Euro zusammen. Vielleicht wird die Zahl der Zuschauer hierzulande zum Seismograph des Frusts über die Erfolge der AfD.

Thomas Klein, FILMDIENST 2016/11

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