Emmas Glück (der Spielfilm)

  Dienstag, 21. März 2017 - 19:30 bis - 21:30

Eintritt: 3,- €

Deutschland 2006
Kinostart: 17. August 2006
103 Minuten
FSK:  ab 12; f

Produktion: Ralph Schwingel, Stefan Schubert, Hejo Emons    
Regie: Sven Taddicken    
Buch: Ruth Toma, Claudia Schreiber    
Vorlage: Claudia Schreiber (Roman "Emmas Glück")    
Kamera: Daniela Knapp    
Musik: Christoph Blaser, Steffen Kahles    
Schnitt: Andreas Wodraschke    

Darsteller: Jördis Triebel (Emma), Jürgen Vogel (Max), Martin Feifel (Hans), Hinnerk Schönemann (Henner), Karin Neuhäuser (Lene), Nina Petri (Dagmar), Arved Birnbaum (Karl)
Verleih: Pandora, Cinemascope

Auszeichnungen

Filmhomepage, Wikipedia, Programmkino.de, alle Daten zum Film auf Filmportal.de  
Pressespiegel

Kurzkritik Filmdienst

Eine junge, resolut-robuste Schweinezüchterin begegnet einem introvertierten, unheilbar an Krebs erkrankten Autoverkäufer. Ihre zunächst eher kuriose Beziehung reift zur leidenschaftlichen, von tiefem Vertrauen geprägten Liebe, die ihnen hilft, ihre jeweiligen Lebens- und Todesängste zu meistern. Die Fabel wechselt zwischen einfühlsam-poetischen und slapstickartigen Momenten im Stil einer Comedy-Posse. Dabei wird das zentrale Thema der humanen Sterbehilfe jedoch nie vertieft und eher als schicke, kitschig-pathetische "Vision" verklärt. - Ab 16.

Trailer:

ausführliche Kritik Filmdienst

Ralf Westhoff schaut den Menschen beim Leben zu. Seine Filme sind geduldige „Lehrstücke“ in Sachen Liebe, Partnerschaft und Beziehung, in denen er seine Figuren reden und reden und reden lässt, um hinter die Fassaden ihrer vermeintlichen Selbstsicherheit zu schauen. Und um ihre wahren Bedürfnisse, ihre Sorgen, Ängste und Defizite sichtbar zu machen. Dann werden aus anfänglich oft oberflächlich oder auch arrogant wirkenden Menschen komplexe Charaktere, die man ins Herz schließt – gerade wegen ihrer Unvollkommenheit, die sie nahbar macht. In „Shoppen“ (2006) ging es um 18 Großstadt-Singles auf Kontaktsuche, in „Der letzte schöne Herbsttag“ (2010) um ein verunsichertes Paar und seine Suche nach einer tragfähigen Beziehung, und auch in „Wir sind die Neuen“ sind die sechs Menschen aus zwei grundverschiedenen Generationen Suchende, die sich ständig fragen: Wie kann man heute leben, am besten miteinander? Stets wählt Westhoff den vielleicht schwierigsten Weg des Inszenierens: Er entwirft keine akademisch-trockenen Sozialstudien, sondern inszeniert Komödien – amüsante, unterhaltsame Dialog-Komödien von spielerischer Eleganz, mit viel (Sprach-)Witz, getragen von vorzüglichen Darstellern, die souverän über etwaige (Genre-)Untiefen hinwegtragen. Die „Neuen“ im Filmtitel sind nun die „Alten“: Anne, Johannes und Eddi sind um die 60, lebten vor 35 Jahren in einer Studenten-Wohngemeinschaft, verloren sich danach aus den Augen. Jetzt bringt sie die Not wieder zusammen: Nach Höhen und Tiefen alleinstehend und finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, verbünden sie sich erneut zur Zweckgemeinschaft. Doch die Zeiten haben sich geändert. Sie sind härter und ungemütlicher geworden, der Umgangston ist „zeitgemäß“ technisch und distanziert, rüde, auch zynisch. Das spüren die „Alten“ schnell, als sie eine Wohnung unter den drei „Jungen“ finden: Katharina, Barbara und Thorsten stehen unter Dauerstress, klotzen bis zur Belas-tungsgrenze für ihr Studium, um im zukünftigen Arbeitsleben konkurrenz- und überlebensfähig zu sein. Sie leben zweckorientiert-sachlich zusammen, reagieren auf Annäherungsversuche der Alten abweisend und aggressiv: „Wir sind keine Gleichgesinnten. Wir sind die Ablösung. Und die wohnt über Euch!“ Bald sind die Fronten verhärtet, jeder hält den anderen für den eigentlichen Spießer, für „krass“ lebensuntauglich. Bis man sich dann doch annähert, einfach weil der seelische Druck zu groß ist. Dann hört man sich zu und stellt fest, dass man sich über die Fronten hinweg etwas zu sagen und auch zu geben hat. Während sich die Figuren zumindest ein Stück weit annähern, entwickeln sich griffige kleine Porträtstudien, souverän gespielt und im Rahmen einer Ensemble-Typen-Komödie mit vitalem individuellen Temperament gefüllt. Auf dieser Klaviatur spielt Westhoff hintergründig, ironisch und doch liebenswürdig mit Generationen-Klischees, jongliert mit Wahrnehmungs- und Perspektivwechseln: eine reizvolle Gratwanderung zwischen Subtilitäten und durchaus auch handfesterer Komik. Besonders interessant ist die Geschichte an ihren Rändern, wo sie „ausfranst“ und Leerstellen schafft: Da sind die Sechs dann keine „runden“ (Kunst-)Figuren, sondern Menschen mit Brüchen, die längst noch nicht fertig sind mit der Welt. Und in denen die Einsicht reift, die Anne am Ende ausspricht: dass man im Leben vielleicht gar nicht zu endgültigen Resultaten kommen, sondern ein Stück weit offen und risikofreudig bleiben soll.
Horst Peter Koll, FILMDIENST 2006/17

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