König Laurin

  Donnerstag, 24. Dezember 2111 - 14:00 bis - 15:45

Eintritt: 5,00 €

Familienfilm Kinderfilm Märchenfilm
Deutschland/Italien/Österreich 2016
Kinostart: 1. September 2016

94 Minuten
FSK: ab 0; f
FBW: Prädikat wertvoll

Regie/Drehbuch: Matthias Lang
Kamera: Kaspar Kaven
Musik: David Reichelt
Schnitt: Theo Strittmatter

Darsteller:
Florian Burgkart (Theo), Volker Michalowski (König Laurin), Rufus Beck (König Dietrich), Patrick Mölleken (Wittich), Katharina Stark (Similde), Dietmar Huhn (Meister Hildebrand), Georg Kaser (Harald der Herold), Gregor Bloéb (Anführer der Armeliten), Maximilian Diehle (Crassus), Martin Thaler (Graf Sigurt)
24 Bilder/, Scope, 9W22.000
 

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Kurzkritik Filmdienst
Der Sohn eines mittelalterlichen Königs leidet unter seiner Kleinwüchsigkeit und den hohen Erwartungen des Herrschers. Als er sich mit Zwergenkönig Laurin anfreundet, der vom Vater des Prinzen in die Verbannung geschickt wurde, können beide ihrem Leben eine entscheidende Wendung geben. Spannende Fantasy-Märchen mit vielen überraschenden Einfällen und komödiantischen Einschüben. Mit geringem Budget produziert, glänzt die Inszenierung mit hervorragenden Darstellern, einem guten Drehbuch und einer gehaltvollen pazifistischen Botschaft.
Sehenswert ab 6.

Trailer (117 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst
Es gibt nur noch wenige Sagen und Märchen, die nicht für Film oder Fernsehen adaptiert wurden. Eine dieser Geschichten hat Regisseur Matthias Lang entdeckt und für seinen Abschlussfilm an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film verwendet. Sie handelt vom Zwergenkönig Laurin, dem es einst gelungen sein soll, in den kargen, felsigen Dolomiten einen zauberhaften Rosengarten anzulegen. Lang gibt sich nicht damit zufrieden, diese Sage einfach nachzuerzählen. Er nimmt sie vielmehr zum Anlass für ein teils spannendes, teils komisches Fantasy-Abenteuer, das trotz des historischen Stoffs Bezüge zum Hier und Jetzt hat. Somit steht „König Laurin“ dem rockigen „Ritter aus Leidenschaft“ näher als einem „Herr der Ringe“-Spektakel für Kinder. Diese Zielgruppe behält Lang stets im Auge, wenn er seinen jugendlichen Antihelden Theo beim schwierigen Versuch, erwachsen zu werden, beobachtet.


Theo leidet unter zwei Dingen: Der Königssohn ist kleinwüchsig und kann deshalb die hohen Erwartungen, die sein ebenso fürsorglicher wie strenger Vater Dietrich an ihn stellt, nicht erfüllen. Erst die Freundschaft zu König Laurin, dessen Zwergenvolk einst von Dietrich wegen einer Missetat, die es nie begangen hat, verbannt wurde, bringt Theo auf den richtigen Weg. Nach und nach erkennt er, dass man auch als Kleiner große Taten vollbringen kann.

Dabei kann das Fantasy-Märchen dank seiner vielen überraschenden Einfälle und witzigen Einschübe gut und gerne auch als Komödie durchgehen. So amüsiert der Regisseur etwa mit Anachronismen wie Mülltrennung im Mittelalter, einer originellen Version der Jahrmarkt-Attraktion „Hau den Lukas“ oder der gewagten Prognose, Latein sei die Sprache der Zukunft. Spaß bereiten auch Gadgets wie ein Zaubermantel, der unsichtbar macht, oder ein Zaubergürtel, der Stärke verleiht. Gleichzeitig liefert „König Laurin“ auch spannend-gruselige Momente wie jene auf einem mit Spinnweben übersäten Friedhof oder die Begegnung mit fiesen Söldnern, die sich als strohdumm herausstellen. Einige schöne Schwenks über die Südtiroler Alpenkulissen sorgen zudem für echte Kinobilder. Allerdings musste die Produktion, die ihr Budget zum Teil über Crowdfunding generierte, unter anderem Abstriche bei der Komparserie machen. Wenn etwa König Dietrich davon spricht, eine ganze Armee würde seine Burg angreifen, und man in der nächsten Szene lediglich ein gutes Dutzend brüllender Berserker sieht, gerät die Glaubwürdigkeit kurz in Gefahr.

Doch Lang kann auf seine hervorragenden Darsteller, zu denen neben Nachwuchstalent Florian Burgkart auch Rufus Beck in der Rolle von König Dietrich und Volker Zack als König Laurin zählen, ebenso verlassen wie auf sein kluges Drehbuch, das insbesondere auf Dialogebene punktet. Zudem gefällt die pazifistische Grundstimmung: Theo will lieber Gärtner als Eroberer werden – da zerstört man ja nur –, und zum glücklichen Ende werden Helme zu Blumentöpfen umfunktioniert. Der gelungene Mix aus leichter Unterhaltung und gehaltvoller Message wurde mit drei „Goldenen Spatzen“ beim Kinder-Medien-Festival in Gera und Erfurt sowie mit dem „Weißen Elefanten“ auf dem Kinderfilmfest München 2016 ausgezeichnet.

Thomas Lassonczyk, FILMDIENST 2016/18
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